Die WM 1974: lange Haare, große Namen

Ja, Deutschland hat diese WM schließlich gewonnen. Und sie wurde auch daheim ausgetragen. Gleichzeitig machten aber auch viele andere Umstände diese Weltmeisterschaft besonders. Damit ist gemeint, was weltweit Zeitgeist genannt wird: Der Gastgeber konnte sich über sein Publikum wie seine Spielweise und generelle Selbstdarstellung anders präsentieren als zu Adenauers Zeiten. Die ’68er hatten stattgefunden und ihren Marsch durch die Institutionen bis in den Kader des DFB hinein durchgezogen. München durfte sich nach den Olympischen Spielen von 1972 ein weiteres Mal besonders profilieren, nämlich als Austragungsort des Endspiels. Und per Logo, Maskottchen, Turnschuhe und Klebealben sowie die Platte der Nationalmannschaft mit Udo Jürgens war Profifußball inzwischen auch in Deutschland mehr Pop als nur Patriotismus und Sport geworden.

Von der Eröffnung zur Zwischenrunde

Günter Noris und die Big Band der Bundeswehr? Das musste vielleicht sein zu den Eröffnungsfeierlichkeiten in der DFB-Heimstatt Frankfurt, aber dann wurde es erst polnisch, dann brasilianisch musikalisch, und schließlich gaben sich Uwe Seeler und Pelé gemeinsam die Ehre. Deutschland West also gerüstet und weltoffen. Immerhin wartete die DDR schon in der Vorrunde – und wurde durch das legendäre Tor von Sparwasser sogar Gruppenerster. Uruguay und Italien waren raus, das deutsche Team schrie sich in Malente ein wenig an und gewann dann alle Spiele der Zwischenrunde nicht zuletzt dank Maier, Vogts, Breitner, Beckenbauer, Netzer, Hoeneß und Müller.

Finale!

Polen wurde nach dem 0:1 in der „Wasserschlacht von Frankfurt“ gegen Deutschland durch ein Tor des späteren Torschützenkönigs Grzegorz Lato gegen Brasilien recht sensationell noch Dritter. Auf die Heimmannschaft wartete mit den Niederlanden ein gefürchteter, den noch moderneren Fußball spielender Gegner, der sich zuvor nur ein einziges Tor eingefangen und neben Brasilien auch Argentinien und Uruguay hinter sich gelassen hatte. Rinus Michels gegen Helmut Schön, Johann Cruyff gegen Franz Beckenbauer. Die letztliche Entscheidung schon sehr früh, per Foulelfmeter in der 43. Minute durch Gerd Müller, den Bomber der Nation.